Per Fumum

Das Wort Parfum leitet sich vom lateinischen „Per Fumum“ ab, was übersetzt soviel heißt wie „durch den Rauch“.

 

Antike 

Auf unserer gemeinsamen Duftreise starten wir in der Antike. Dort wurden bereits religiöse Räucherrituale, Ölungen und Salbungen mit Myrrhe, Zimt, Balsam, Lilien, Safran oder Narde durchgeführt.

Während die Ägypter Blumen, Kräuter und Harze verbrannten, räucherten die Römer ihre Wohnungen, um den Raum mit Wohlgeruch auszufüllen. Die Griechen opferten ihren Göttern Olibanum (Weihrauch) und Lorbeeren.

Über das erste bekannte ätherische Öl - ein Rosenwasser -, welches von Ibn Sin, einem Araber, hergestellt wurde, begeben wir uns in das Jahr 1000 nach Christus. Dieses ätherische Öl wurde mit der Destillation hergestellt.

Die Technik wurde von Seefahrern mit nach Europa gebracht und brachte einen neuen Handwerkszweig hervor. Die Gründung der Handschuhmeister- und Parfümmeistergilde im Jahr 1190 in Frankreich gilt als Beginn der modernen Parfümerie.

 

Mittelalter

Die nächste Etappe unserer gemeinsamen Duftexpedition führt uns in das Jahr 1370 zu “Eau de Hongrie“ , dem ersten modernen Parfum, einer Mischung aus ätherischen Ölen von Rosmarin, Thymian, Lavendel, Minze, Salbei, Majoran, Costus (Spiralingwer/Kostwurz), Orangenblüte und Zitrone.

Es soll sich um ein echtes mit Brandy umrahmtes „Jungbrunnenwasser“ gehandelt haben, welches einer Legende nach von einem Eremiten für die alternde ungarische Königin Elisabeth hergestellt wurde.
Der Sage nach sei die Wirkung des Wassers verschönernd gewesen und hätte unverfängliche Jugend gebracht, mit dem Erfolg, dass die Monarchin prompt –mit dem Vorläufer des Kölnischwassers!- den König von Polen verführte.

Auf unserer Duftreise machen wir nun einen Abstecher zum Pariser Königshof. Dort wurden zu Zeiten des „Sonnenkönigs“ und seines Nachfolgers Ludwig XV. täglich wechselnde Parfums versprüht, um den Gestank am Hofe zu vertreiben.

In diese Zeit versetzen wir die Dufterinnerung unserer Nase in einen italienischen Frühlingsmorgen nach dem Regen. Dieser Morgen duftet für einen Parfümeur nach Orangen, Pampelmusen, Zitronen, Bergamotte, Cedrat und Limetten, allen Blüten und Kräutern seiner Heimat. Wer den Duft bereits an dieser Beschreibung erkannt hat, weiß, dass wir das Parfum „Eau de Cologne“ oder besser bekannt unter dem Namen Kölnisch Wasser des berühmten Parfümeurs Giovanni Maria Farina beschrieben haben.
Natürlich gönnen wir unserer Nase eine kurze Erholungsphase in der Glockengasse Nummer„4711“ in Köln (Cologna).

Wir sind im Jahr 1709 an der Produktionsstätte des Kölnisch Wasser gelandet.

 

20. Jahrhundert

Über den ersten Parfumladen von Pascal Guerlain im 19. Jahrhundert führt uns unser Duftausflug ins Jahr 1921 und zu dem bekannten Zitat von Marylin Monroe: „Im Bett trage ich nichts, außer No. 5.“. Mit dem erfolgreichsten Duft und Klassiker aller Zeiten -Chanel No. 5- setzte Ernest Beaux eine Parfumbenchmark, die Parfumeure bis in die heutige Zeit inspiriert.

Eine Legende besagt, dass Beaux` Assistentin beim Mischen des Parfums einen Fehler machte und statt einer 10%-igen Verdünnung die Aldehyde unverdünnt einsetzte.

Ein anderer Mythos besagt, dass Beaux im Russischen Bürgerkrieg auf der Halbinsel Kola diente und ihn der extrem frische Duft der Seen und Flüsse im Licht der Mitternachtssonne an Aldehyde erinnerte.

Eine prosaische Geschichte erinnert daran, dass Coco Chanel von Beaux` zehn vorgestellten Düften, nummeriert von 1-5 und von 20-24, die Nummer 5 wählte, weil es sich um Ihre Glückszahl handelte und sie den Duft mit ihrer Kollektion am 5. Mai vorstellen wollte.

Unsere Nasenflügel verwöhnen wir nun mit einer ganz neuen Duftfamilie, dem legendären „Chypre“ (nach der Insel Zypern), den Francois Coty im Jahr 1922 prägte.
Über die Modeschöpfer, die verantwortlich für die Dufttrends in den 1970er Jahren waren, gelangen wir auf unserer Duftreise über Lifestyle in den 1990er Jahren zu individuellen Düften in die heutige Zeit.

 

Heute gibt es folgende Duftgenealogien (Familien) für Frauen:

  • Citrus
  • Grün
  • Fruchtig
  • Blumig
  • Floriental
  • Orientalisch
  • Holzig
  • Chypre

 

Aktuelle Duftgenealogien für Männer:

  • Citrus
  • Blumig
  • Fougere
  • Holzig
  • Orientalisch
  • Chypre


In den letzten fünfzehn Jahren verbreitete sich immer mehr eine neue Duftfamilie,die Gourmandnote. Ich bezeichne die Parfums aus der Gourmandnote gerne als „Jahrmarktdüfte“, denn in diesen Duftnoten sind Aromen und Bestandteile aus Zuckerwatte, Schokolade, Cupcakes, gezuckerten Mandeln, Marzipan, Lakritz, aber auch Whiskey vorhanden, meist in einer Kombination mit pudrigen Düften.


Die wichtigsten Verfahren zur Herstellung von Essenzen/Düften:

  • Wasserdampfdestillation (zum Beispiel für Holzarten und Kräuter)
  • Enfleurage mit Fett (zum Beispiel für Rose, Tuberose und Jasmin)
  • Extraktion mit Lösungsmitteln (zum Beispiel für Harze und Resinoide)
  • Expression oder Auspressung (zum Beispiel für Zitrusfrüchte)
  • Softact
Hierbei kann der Parfumeur "Le Nez"aus über 3000 (es kommen stetig neue hinzu) synthetischen

und ca. 400 natürlichen Riechstoffen auswählen. Daraus ergeben sich unzählig viele Kombinationsmöglichkeiten zur Kreation von Parfum.

 

Ein Parfum sollte aus folgenden drei Komponenten bestehen:

  • Kopfnote
  • Herznote und 
  • Basisnote

 

In der Kopfnote

werden überwiegend leichte, frische, blattgrüne, zitrusartige Öle oder blumige Essenzen verwendet. Diese werden als erstes wahrgenommen und verflüchtigen sich bereits ca. zehn Minuten nach dem Auftragen des Parfums. Die Kopfnote ist meist sehr wichtig für die Kaufentscheidung. Als Beispielessenzen nenne ich hier: Bergamotte, Citrus, Grapefruit und Orange.

Aus der Herznote

sollten ca. 50-80% der Parfummischung bestehen. Nach dem Abklingen der Kopfnote bleibt der oft sehr blumige Duft bis ca. zwei Stunden auf der Haut. Beispielessenzen: Rose, Jasmin, Iris und Maiglöckchen.

Die Basisnote

bildet den Abschluss der Duftkomposition. Sie ist nach dem Abklingen der Herznote bis zu acht Stunden und darüber hinaus am längsten für den Wohlgeruch auf der Haut zuständig. Die sogenannten Fixateure bestehen oft aus würzigen, schweren, warmen Holz- oder Moschusaromen. Beispielessenzen: Moschus, Ambra, Castoreum (Bibergeil) und Zibet.